Tag 4 bis 5: Wo habe ich mit da bloß reingeritten?

Tag 4.

Lektion des Tages: Nicht alle Mongolen sind freundlich.

Nach einer guten Nacht ging meine kleine Karawane in die Richtung eines kleinen Ortes, um ein wenig Proviant einzukaufen und vielleicht ein Internet Café (oder so etwas in der Art) zu finden. Ich habe noch nie so einen trostlosen Ort gesehen. Die Menschen schauten grimmig drein, oder ignorierten mein freundliches “Sen bej noo” schlicht. Sogar die Kinder lächelten dort nicht.
Sind es eigentlich Orte, die Menschen so negativ prägen, oder sind es die Menschen, die solche Atmosphären schaffen?
Ich verabschiedete mich schnell von der “wir gehen alle in den Keller um zu lachen” Gemeinschaft und suchte das Weite.
Dabei wurde ich von zwei Motorradfahrern verfolgt und angehalten. Den beiden Schlägern möchte ich nicht nachts begegnen. Die Gesichter vernarbt, Münder zahnlos und die Knöchel blutig. Die beiden interessierten sich sehr für meine Ausrüstung und schienen mich zu mustern, ob sich ein Angriff lohnen würde. Anscheinend wirkte ich zu groß (mit meinen 1,80 m bin ich meistens ein Kopf größer) und stark, oder war ich doch einfach nur paranoid. Nach einer Kippe verschwanden die beiden Halunken wieder in Ihr “herzliches” Örtchen.

Eine Rundreise druch die Mongolei mit dem Pferd

Ich mühte mich immer weiter Richtung Westen, um so weit wie nur möglich von diesen Leuten weg zu kommen.

Mein Lager baute ich versteckt zwischen gold-grünen Hügeln und könnte schwören das Grab von Dschingis Khan gefunden zu haben. Falls jemand ehrliches Interesse an der Fundstelle hat – gerne schicke ich die GPS Koordinaten. Was für ein herrlicher Ausklang dieses bescheidenen Tages.

Ich will nicht immer alles so negativ darstellen, aber oft sind es die schlechten Erlebnisse, die spannend und erwähnenswert sind. Ich könnte auch stundenlang von der Schönheit der Steppe, der Ruhe am Morgen, der bunten Insektenwelt, dem Gefühl der Freiheit oder dem Geruch der unzähligen Kräuter schreiben, aber das würde doch bestimmt schnell langweilig werden 😉

Reisebericht Mongolei Reiten

Ein schwieriger Tag.

Tag 5.
Lektion des fünften Tages: Pferde laufen schneller.
Die Pferde brauchen Grass und Wasser. Und das Ganze jeden Tag. Grass ist kein Problem in der Steppe, aber das liebe Wasser macht mir Kopfzerbrechen. Mein Kartenmaterial scheint aus der Steinzeit zu stammen. Wo Flüsse und Seen eingezeichnet sind, finde ich oft nur Dreck und Staub.

Doch bevor ich den ausgetrockneten See (das wusste ich natürlich vorher nicht) überhaupt erreichen konnte, sind mir meine beiden Pferde abgehauen!! Das war eindeutig der schrecklichste Moment der letzten Tage. Ich wollte eine Pferdefliege töten und ließ für einen Augenblick die Zügel los. Als ich die Fliege mit der Bürste tot schlug, erschreckte ich meine Pferde …

Schon mal versucht ein Pferd in der unendlichen Steppe einzuholen? Ich schon:
1. Es ist überhaupt nicht lustig, vor allem wenn alles was man besitzt sich auf dem weglaufenden Pferderücken befindet.
2. Es ist verdammt anstrengend und ehrlich gesagt verzweifelnd zu erkennen, dass man alleine so hilflos ist.
3. Mit genügend Ausdauer und Geduld manchmal erfolgreich 😉

Der Tag hat besch**** angefangen und so sollte er auch weiter gehen. Die Pferde flippten wegen der sch*** Fliegen aus, von Wasser weit und breit nicht zu sehen. Sogar mein Mittagessen musste ich mit einen grimmigen Reiter teilen, der im genau richtigen Augenblich aus dem Nichts angeritten kam.

Ein Treffen in der Steppe mit einen grimmigen Mongolen

Ich bin hungrig, die Pferde durstig, die Sonne wieder einmal gnadenlos. Kilometer für Kilometer schleppten wir uns weiter Richtung Westen, bis ich einen vereisten Brunnen finde. Es dauerte ca. zwei Stunden meine Pferde zu tränken, die anderen Tiere dabei zu verjagen und anschließend die braune Brühe durch den Wasserfilter und mein T-Shirt (als Vorfilter gedacht) zu pumpen.

Brunnen Wasser in der Mongolei Trinken

Im Laufe des Tages wurde ich von seltsamen Mongolen zum Milchtee eingeladen. Als ich anschließend weiter wollte, war mein Pferd weg. Einer aus der Sippe hat sich Johnny kurzer Hand “ausgeliehen” um eine Spritztour zu machen. In der Zwischenzeit sollte ich den Preis von jeden einzelnen meiner Ausrüstungsteile nennen. Es ist wirklich nicht so, dass ich damit angebe. Die Satteltaschen, Zelt, Isomatte und der Rucksack sind nun mal gut sichtbar auf dem Rücken von Cash verstaut.

Auch wenn es schon spät war, dort bleiben wollte ich auf keinen Fall. Bin ich nun zu paranoid, oder sagt mir mein Bauchgefühl das Richtige?

Langsam bin ich reif für einen oder zwei Tage Pause. Bin einfach nur müde, genervt und mein ganzer Körper tut mir weh. Ich weiß – keiner hat gesagt, dass es einfach werden würde alleine durch die Mongolei zu reiten. Aber das hier geht echt an die Substanz.

Wenigstens die Abende versprechen ein wenig Erholung nach der endlosen Plackerei.
Mit ein Musik von Johnny Cash, einem warmen Essen und den letzten Schuss Wodka in meinen Magnesium-Tabletten Drink lasse ich diesen anstrengenden Tag ausklingen.

Kein guter Tag.

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3 Antworten auf Tag 4 bis 5: Wo habe ich mit da bloß reingeritten?

  1. Der Christian sagt:

    Sag mal lieber Konrad, wie machst du das eigentlich mit Strom? Du hast ja Deine Kamera immer am Start und der iPod mit Johnny Cash im Brüllwürfel laufen ja auch nciht auf Pferdemist. Hast Du irgendwie ein Solarpanel dabei?

    • Konrad sagt:

      Lieber Christian,
      ich habe mir einen billigen 12V-220V Konverter gekauft. So kann ich mit ein paar Tricks jede Autobatterie zum Aufladen meines Rechners, Akkus etc. nutzen. Und fast jede Jurte hat irgendwo eine Autobatterie stehen …
      So komme ich über die Runden 😉

  2. Der Christian sagt:

    Gut zu wissen, dass Du versorgt bist!

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