Tag 21 und 22: Der Anfang vom Ende

Tag 21.
Lektion des Tages: Mehr genießen und weniger Jammern.
Es sind nur noch 40 km zum Ziel. Ich lasse es nun langsam angehen. Auch wenn es ein hartes Stück Arbeit war, durch die Berge zu reiten, war es auch ein gutes Abenteuer.
JA – ich erreiche langsam meine körperlichen Grenzen, doch gleichzeitig gehe ich abends voller Stolz und glücklich in meinen männlich miefenden Schlafsack.

Reit-Wandern in der Mongolei - ein Erfahrungsbericht

Auch meine Vorräte neigen sich dem Ende. Die letzte abgelaufene Fischkonserve ist gegessen. Bleibt noch Trockenfleisch und Wasser aus dem Fluss. Da passt es hervorragend, dass das erste Dorf seit 160 km in der Ferne zu sehen ist.

Vor dem Dorfladen bin ich noch kurz von einen übermutigen Besoffenen angepackt worden. Doch mit meinen, in den letzten drei Wochen gewonnen, Selbstvertrauen (siehe TOMORBAATAR) bin ich wahrlich kein Feigling geworden. Er suchte schnell das Weite, als ich mich mit finsteren Blick, der Peitsche in der Hand vor ihn aufstelle und “Komm her Ar***!” zische 😉
Ich habe danach groß eingekauft. Nur die feinsten Sachen! Coca Cola, Schokolade, Spagetti, Brot, Bier und zwei Konserven Rindfleisch. Das gibt heute Abend wieder lecker Nudeln-Schmackofatz mit reichlich Zuckerbrause!
Als ich meine Einkäufe einpackte, drückte mir ein Mann einen Zettel in die Hand. Auf diesen eine, auf englisch geschriebene, Einladung in seine Jurte. Seine Frau ist Englisch Lehrerin und würde gerne mit mir sprechen. Klar komme ich mit! Das hört sich doch interessant an …

Gastfreundschaft wird in der Mongolei groß geschrieben

Ich verbringe einen schönen Nachmittag mit meinen Gastgebern und werde zum Essen eingeladen. Danach durfte ich mit einen Freund der Familie (der ein waschechter “Halbtags” Mönch ist) in sein leeres Kloster. Hier gibt es doch tatsächlich einige Mönche, die Vormittags in ihrer Kluft beten und Nachmittags in Zivil mit ihren Familien verbringen. Wie jetzt?! JA genau, da habe ich auch gestaunt: Mönche mit Frau und Kindern …

Ein Kloster in der Mongolei

Und noch eine Sache, die wirklich auffällig an dieser Gegend ist: Egal wie menschenleer dieses Land auch sein mag und wie sehr ich mich in den Tälern zum Übernachten verstecke – aus dem Nichts, kommt immer neugieriger Besuch. Nach einen kurzen Smalltalk und einer Zigarette werde ich auch diesmal schnell in Ruhe gelassen.

Reit-Wandern in der Mongolei - mit immer neuen Besuchern

Ein menschlicher Tag.

Tag 22.
Lektion des Tages: Ich fahre doch lieber Motorrad als Pferde zu reiten.
Reitwandern in der Mongolei hat für einen Pferde-Anfänger einen bzw. zwei große Nachteile. Diese fressen ständig Gras und haben ihren eigenen eigensinnigen Kopf. Es sind schließlich halbwilde Lebewesen und keine Maschinen. Die Pferde sind wunderschöne und starke Kreaturen. Ich habe mich in diese ständig hungrigen, kackenden und furzenden Vierbeiner verliebt!

Pferde kaufen in der Mongolei Abenteuer Reiten 2011

Jeden Morgen und Abend lasse ich mir viel Zeit und bürste meine mongolischen Pferdchen ausgiebig. Zu Beginn war es ihnen unheimlich doch jetzt kriegen sie einfach nicht genug davon.

Ich könnte noch monatelang eine schöne Zeit irgendwo in den mongolischen Bergen in meinen Zelt und den Pferdchen verbringen … wenn da bloß nicht diese tägliche Quälerei Reiterei wäre!

Es reicht nur eine nervige Pferdefliege oder ein steiniger Untergrund, schon wird das Reiten für zur Qual. Johnny mag ein gutes Pferd sein, doch mich (im wahrsten Sinne des Wortes: blutigen Anfänger) überfordert er immer wieder. Wenn dann auch noch der entspannte Cash bockig wird, dann verliert das einsame Reiten durch die mongolischen Traumlandschaften schnell ihren Reiz. Ein launisches Pferd zu kontrollieren ist nicht einfach, aber zwei (hin und wieder)bescheuerte Ponys gleichzeitig, ist eine wahre Herausforderung.
Ich gebe ganz ehrlich zu, dass ich mir den Umgang mit den beiden Pferden einfacher vorgestellt habe. Mongolische Pferde sehen zwar ein wenig wie große Hunde aus, sind es aber nicht 😉

In den letzten Wochen habe ich, trotz der zahlreichen Rückschläge, sehr viel Spaß mit den freundlichen Grasfressern gehabt und eine Menge über Pferde gelernt. Ich kann jetzt stolz behaupten, dass ich auch so richtig reiten kann. Ob dieses 1 PS Öko-Fortbewegungsmittel meine Vorliebe für benzinfressende, pferdestarke Motorräder übertrumpfen kann, bezweifle ich jedoch ganz stark.

Reitwandern durch die mongolei

Nur noch wenige Kilometer nach Bayongohor…

Ein ruhiger Tag.

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Eine Antwort auf Tag 21 und 22: Der Anfang vom Ende

  1. König Lars sagt:

    Konrad du bist mein Held!! Sehr gut wie du dir den Weg in die Stadt gebahnt hast!!
    Ps. Hübsche Verkäuferin 😉

    LG
    Lars

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