Tag 23: Der 41 Stunden Tag – Teil 1

Heute ist es soweit. Der hoffentlich letzte Morgen mit meinen Pferden. Wobei das Wort „hoffentlich“ eigentlich nicht passend ist, denn ich vermisse die beiden Hufträger noch bevor ich sie verkauft habe.

Es geht erst einmal ein paar Kilometer durch verdreckte Wiesen in die Stadt. Bayangonhor ist wie alle mongolischen Städte: Dreckig, hässlich und voll von komischen Leuten. Da müssen wir nun mal durch …

Der Markt liegt im Süden der Stadt und das gibt mir die Möglichkeit, besser gesagt zwingt mich dazu, durch die komplette Stadt zu reiten. Zur meiner Erleichterung erreiche ich nach nur wenigen Peitschenhieben und zwei Panikattacken von Johnny (plötzlich auftauchende und bösartige Zebra Streifen) den Mark.

Nach einer kurzen Lautsprecher Ansage bin ich umringt von Neugierigen und Interessenten. Ich glaube jeder einzelne Mann auf den Platz hat meine beiden Pferde angefasst, ihnen ins Maul geschaut, oder diese an den komischsten Stellen gekniffen.

Ich habe verhandelt, erklärt und teilweise viel gelacht. Die ganze Situation erschien mir auf einmal so absurd. Da stehe ich müde, stinkend und mit verdreckten Klamotten mitten zwischen Mongolen und will ihnen zwei Pferde verkauften.
Als einige Schlitzohren mich übers Ohr hauen wollten, bin ich auch mal wütend und lauter geworden. Dieses Verhalten ist in der Mongolei manchmal angebracht und bringt den nötigen Respekt wieder.
Zwischendurch ging ich in ein Restaurant und bestellte mein erstes richtiges Essen seit zwei Wochen. Durchs Fenster schaute ich dem Treiben um meine verängstigten Pferdchen zu und musste weiterhin schmunzeln.

Die Pferde auf einen Markt in der Mongolei verkaufen

Die Stunden vergingen und die Angebote wurden immer dreister. Langsam fand ich es nicht mehr lustig auf dumme Fragen zu antworten. Am Nachmittag wurde es stiller und ich stand immer noch da mit meinen armen Pferden. Um mich herum ein paar Alkis und nervigen Spinner, die mir ständig wichtige Ratschläge im Umgang mit den Pferden gaben und die Pferde begrabschten. Immer öfter musste ich energisch eingreifen und besoffene von meinen Pferden weg schubsen. Um 18 Uhr reichte meine Geduld nicht mehr aus und ich überließ das Feld dem Gesindel. Vielleicht klappt es morgen, die beiden Pferde zu einen vernünftigen Preis zu verkaufen.

 

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