Tag 23: Der 41 Stunden Tag – Teil 2

Ich entscheide südlich der Stadt ein Platz zum Übernachten zu finden. Die Pferde sind hungrig und verängstigt. Die vielen Stunden auf den Markt haben nicht nur an meinen Nervenkostüm gezerrt.
Am Stadtrand mache ich einen Halt in einer kleinen Gaststätte um etwas zu essen. Sofort bin ich wieder von Neugierigen umringt. So ein dreckiger Ausländer mit zwei müden Pferden ist immer einen genaueren Blick wert :-) Ich behalte die Fassung und spiele das Spiel mit. Es ist ja nicht mehr weit und bald haben wir wieder unsere Ruhe in der freien Natur …

Ein älterer Mann kommt mit seinen Pferdekarren vorbei. Sieht mich und kommt (selbstverständlich) näher. Er schaut sich meine Ponys genau an und fragt mich ob ich die Pferde vielleicht verkaufen möchte. „OK wieder einmal so ein Zeitverschwender“ denke ich. Ah was solls. Ich zeige mit meinen schmutzigen Fingern einen günstigen Preis. Er nickt und sagt „OK„.
Moment mal … hat er gerade wirklich zugestimmt?
Ich zeige noch einmal den Preis an. Er nickt zustimmend. Ich reiche ihm die Hand.
Anscheinend habe ich gerade meine beiden Pferde verkauft. Ich bin erleichtert und traurig gleichzeitig. Ein besseres Leben erwartet Johnny & Cash jetzt bestimmt nicht.

Der Alte verschwand wieder und sollte in einer Stunde mit dem Geld wieder kommen. Soweit ich alles richtig verstanden habe …
Die Stunden vergingen und ich fing an zu zweifeln. Ich verbringe die Wartezeit mit den netten Frauen von der Gaststätte, die mir immer wieder versichern, dass der Alte bald wieder kommen wird.

Nach 22 Uhr war es soweit. Der Käufer erscheint mit einem ganzen Anhang von Männern. Wir quetschen uns in ein Hinterzimmer und er überreicht mir das Geld.

Ich zähle die Scheine und werde auf einmal wieder richtig wütend. Vor mir liegen 500.000 MNT – 100.000 fehlen. Ich schaue neugierig in die Runde. Jeder der Anwesenden behält sein poker face.
Man kann es ja mal versuchen – so ein dummer, reicher Ausländer merkt es vielleicht gar nicht. Doch nicht mit mir Jungs! Mir reicht es – bin genug auf dem Markt verarscht worden! Ich schiebe die Scheine von mir, stehe auf und fange an die Männer auf deutsch zu beschimpfen.
Keine Reaktion. Der Alte greift nur lächelnd in seinen Mantel, holt einen weiteren Bündel Scheine und legt diesen auf den Hocker. Ich setze mich aufgeregt wieder hin und zähle durch. Jetzt passt die Summe. Gut ihr Schlitzohren – hat doch keinen Sinn sich weiter künstlich aufzuregen. Wir schütteln uns die Hände und gehen raus zu den Pferden.

Mongolische Pferde verkaufen

Ein letzter Blick auf meine Jungs. Ein letztes Kraulen und Drücken. Ich bin traurig, froh, müde, erleichtert, genervt … die Gefühle wechseln in mir in Sekundentakt. Bevor ich hier anfange wie ein Mädchen zu weinen, das sein Pony verkauften musste, drehe ich mich mit Tränen in den Augen um und gehe weg. Fühle mich verdammt schuldig und irgendwie als Verräter.
Johnny und Cash haben mich sicher durch die letzten Wochen gebracht und ich verhökere meine treuen Wegbegleiter einfach so vor einer schäbigen Gaststätte. Ich bin ein undankbarer Arsch – mit diesen Gedanken lege ich mich zum Schlafen auf die Pritsche im Hinterzimmer.

Meine beiden Pferde in der Mongolei Johnny und Cash

Ich vermisse euch jetzt schon meine lieb gewordenen Grasfresser. :-(

Dieser Beitrag wurde unter Auf dem Pferderücken abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten auf Tag 23: Der 41 Stunden Tag – Teil 2

  1. Mieczysław Stankiewicz sagt:

    Gratuluję jeżeli nie straciłeś to jest wszystko OK.Nie wiem jak będziesz się przemieszczał do Polski.ale jeżeli będziesz w Polsce a dokładnie w Warszawie podaję ci kontakt z Adrianem 500477900 najlepiej wcześniej się kontaktuj.Ze mną kontakt 510327204.
    Trzymaj się i czekamy na Ciebie.

  2. Lischen sagt:

    …schön, dass es dir gut geht!! :)

    na da habe ich ja jetzt vieeeeeeeeeeeeeeeeel zu lesen!! 😀
    ich hoffe, dass wir uns bald mal wieder sehen… schon nen plan wann es heim geht?

    liebe grüße
    lisa

    • Konrad sagt:

      @ Lischen: :-) Ich habe schon einen Plan wie und wann ich zurück komme … aber die Details verrate ich erst in ein paar Tagen! Du kennst mich ja … es bleibt spannend! Grüße ins Tal :-)

  3. MamaMirka sagt:

    Hallo Synek po 30 godz jazdy urlop sie skonczyl odpoczelam szkoda tylko, ze w tym
    czasie nie dotarles do radziej.
    Ale „Babcia“ bedzie miala znowu powod do radosci.
    Bylam tradycyjnie na swietniej goscinie na Jurkach. Duzo o tobie rozmawialismy.
    Danka iPiotrek spali 1 noc w Radz. Zdaniem Piotra to co teraz robisz jest naprawde
    „meska sprawa“.
    Szkoda mi bylo opuszczac Radz, Lusie i Mietka, ale wszystko co dobre szybko sie konczy.
    Do szybkiego zobaczenia HDL Mama.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *