Wenn es viel zu tun gibt, wünscht man sich Tage mit mehr als 24 Stunden. Wenn man schnell genug immer weiter Richtung Westen fährt haben die Tage tatsächlich mehr als 24 Stunden.
Seit vier oder fünf Tagen überquere ich jeden Tag eine neue Zeitzone. So gewinne ich Tag für Tag eine oder sogar zwei Stunden. Meine Tage in Russland haben 25 bzw. 26 Stunden!

Ich verstehe es ja, komme trotzdem nicht darauf klar. Der Mensch ist einfach nicht dafür geschaffen mit der Zeit zu spielen. Wenn ich noch schneller fahre komme ich Gestern an, oder so ;-)
Kein Witz – ich habe tatsächlich Jetleg vom Motorradfahren! Oder gibt es dafür eine andere Bezeichnung, da ich mich auf dem Boden bewege? Jeden Tag wache ich früher auf und fahre dafür länger. Das kann doch auf Dauer nicht gesund sein, oder?
Es fällt mir mittlerweile schwer die einzelnen Tage zu unterscheiden. Städte, Tage, Strecken, Begegnungen – alles wird zum vorbeirauschenden Einheitsbrei. Ich glaube mein Kopf ist noch in Sibirien …

Nach 3.500 Meilen (ist ja ein walisisches Tacho) bleiben noch ungefähr 1.400 km (ist ja eine deutsche Landkarte) durch Russland. Es folgt die Ukraine und dann Polen. In Kiew werde ich den Vorderreifen wechseln müssen – der macht es nicht mehr lange bei meiner energischen Fahrweise. So wie das Profil jetzt schon glatt rasiert ist, lassen mich die deutschen Polizisten bestimmt nicht durch Deutschland fahren!
…
Nach einer abgefahrenen Woche auf der DAKAR macht es immer mehr Spaß der Sonne auf zwei Rädern zu folgen!

Es sieht wirklich so aus, als ob ich es rechtzeitig schaffen könnte :-)