Frisch geduscht, rasiert und ausgeschlafen. Wieder zurück in der zivilisierten Welt. Willkommen in Kiew :-)
Da wacht man morgens in einem russischen Wald auf, packt sein Zelt, frühstückt trockenes Brot mit Wasser, nur um dann abends im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt in einem der vornehmsten Lokale der Stadt zum Abendessen eingeladen zu werden.
Doch eines nach dem anderen ...

Nachdem ich mich am Abend zuvor fast hingelegt hätte (bin blind durch eine Senke voller Schotter durchgebrettert, als ich einem rücksichtslosen "Geisterfahrer" ausweichen musste) hatte ich keine Lust mehr weiter zu fahren. Die letzte Nach in Russland verbrachte ich in einem Waldstück unweit der ukrainischen Grenze. Es ist sowieso sinnvoller ausgeruht über Grenzen in Osteuropa zu fahren. Als die Grenzbeamten an der Russisch-Ukrainischen Grenze am nächsten Tag meine Geduld stundenlang auf die Probe stellten, erwies sich diese Entscheidung als folgerichtig.
Lächeln, nicken, Arschloch denken!
Danke SchwesterHerz - diese Philosophie ist auch bei Grenzübergängen sehr hilfreich :-)

Ich will Euch nicht mit Einzelheiten zu dieser Grenzerfahrung langweilen, aber es gibt einfach Leute auf dieser Welt, die sehr klein, unbedeutend und deswegen bösartig sind. Diese Menschen suchen sich gerne Jobs mit Macht aus, in denen sie andere wenigstens eine Zeitlang tyrannisieren können, um sich groß und bedeutend vorzukommen. Ihr Herz wird mit Glück erfüllt, wenn Sie in euren Augen Hass, Wut oder Verzweiflung erkennen.
Lächeln, nicken, Arschloch denken - damit dreht man den Spieß um. Mehr Aufmerksamkeit möchte ich vor allem den ukrainischen Grenzbeamten in diesen Blog nicht widmen. :-(
Sommer, Sonne, Sonnenschein in der UKRAINE.
Das Wappen des Landes sollte meiner Meinung nach ein Storch mit einer Sonnenblume im Schnabel sein. Sonnenblumenfelder und Storchnester soweit das Auge reicht - das erfüllt zum Beispiel mein Herz mit Glück (ihr ver**** Grenzbeamten!).

Ungefähr 60 km vor Kiew überholen mich zwei Biker und fordern mich zum Halten an. Beide fahren auch eine BMW und sind sofort Feuer und Flamme mir zu helfen eine BMW Werkstatt in Kiew zu finden. Sie bestehen darauf mich in die Werkstatt zu begleiten, wo ich meinen Vorderreifen wechseln möchte. Es wird eine kleine Odyssee durch Kiew und verschiedene Motorradläden. Es stellt sich heraus, dass ich anscheinend der Einzige bin, der in der Kiew ein Motorrad mit einem 21 Zoll Vorderrad fährt. Nicht einmal die schicke BMW Niederlassung konnte uns weiterhelfen. Doch meine beiden energischen Helfer gaben nicht auf und nach etlichen Telefonaten fanden wir einen einzelnen 21" Reifen in einem total abgefahrenen Bikerschuppen irgendwo im Keller eines Plattenbaus.

Alex und Haim, so die Namen der Beiden, reservierten für mich kurzerhand ein günstiges Hotelzimmer und brachten mich auch persönlich dort hin.
"Ob ich nicht mit ihnen ein Bier trinken gehen würde?" fragte mich Haim.
"Klar man - ein kühles Blondes, genau das könnte ich jetzt gebrauchen!"
Die gemeinsame Fahrt ging ins Zentrum der Stadt. Vorbei am Regierungssitz immer weiter in ein sehr vornehmes Viertel. Auf einmal stand ich da mit meiner total verdreckten DAKAR umgeben von Luxuskarossen, Fräuleins mit Handtaschen-Hunden und finster dreinschauenden Anzugträgern mit Knopf im Ohr.
"JA genau! ...", dachte ich mir lächelnd "... das ist der richtige Ort für mich verschwitzten Stinker mit meinen versifften Motorrad Klamotten und dem blutverschmierten Helm. Ich kann mir in dieser Gegend nicht mal ein Glas Leitungswasser leisten ...".
Für Alex und Haim schient das alles ziemlich normal und ich folgte ihnen selbstbewusst in ein feines Café. Kurze Zeit später wurde unsere Runde größer und nach ein paar Bierchen wurde mir klar, warum hier so viele Sicherheitsfuzzies herumlaufen. Meine neuen Bekannten sind alle erfolgreiche Geschäftsleute in der Ukraine (Vorstandsvorsitzende von Avis, AirFrance/KML, Restaurant- oder Versicherungsfirmenbesitzer). Eine wahrlich erlesene und sehr lustige Biker Runde. Ich habe mich schmunzelnd als Waffen- & Drogenhändler auf Geschäftsreise ausgegeben und für einen kurzen Augenblick eine Menge verwirrter Blicke geerntet ;-)

Heute Abend bin ich von Oleg in sein Restaurant eingeladen worden. Vielleicht kommt auch jemand von einem ukrainischen Biker Magazin, um sich meine Story anzuhören ...
Da denk man, dass es nach der wilden Fahrt durch Russland nicht mehr interessanter werden kann und jetzt so was :-)
Ich genieße diese Abwechslung für ein oder zwei Tage und halte Euch auf dem Laufenden ...
PS: Dieses, gestern kurz vor der Grenze aufgenommene, Bild widme ich allen Machtmenschen dieser Welt. Vorsicht nichts für schwache Mägen!
