Ich war vor ein paar Jahren in Köln bei einer Art Selbstverteidigungskurs. Es ging bei diesem nicht ganz ernst gemeinten, interaktiven Theaterstück um Untote = Zombies und wie man diese am Besten zur Strecke bringt. Laut der vortragenden Experten ist die effektivste Methode einen Zombie zu erledigen, ihm mit einen Brecheisen den Schädel zu zertrümmern …
“Berechstange!” war der erste Gedanke, der mir durch den Kopf schoss ich als mir jemand von hinten auf die Schulter klopfe und ich mich erschrocken umdrehte. Diese Person könnte in jeden Zombie Film mitmachen – und das ganz ohne Make-Up.
Doch Spaß beiseite:
Es war eine junge Frau, um die Zwanzig. Blut unterlaufe, weit aufgerissen Augen, aufgeplatzte Lippen, triefende Nase, die Haut grau und voller Ekzeme. Sie zitterte stark und krümmte ihren ausgemergelten Körper. Ich machte unbewusst ein Schritt rückwärts, als sie mich nach etwas Geld für Brot anbettelte. Ein paar Meter hinter ihr zwei weitere armseelige Kreaturen.
Ja nee ist klar: Geld für ein Brot? Oder doch für das Zeug, das diese mitleidserregenden Junkies so verunstaltet hat.
Mir ist der Appetit vergangen. Ich drücke ihr mein Brötchen in die Hand und steige traurig auf mein Moped.
Ich weiß nicht was diese jungen Menschen so kaputt gemacht hat – aber es muss pures Gift sein. Verfluchte synthetische Drogen! Dann lieber doch Schusswaffen: Diese Ballern auch ordentlich, bringen einen aber schneller um ;-(

Gedankenversunken fahre ich durch die tiefen Schlaglöcher dieser namenlosen Stadt. Diese armen Schweine. Keiner verdient so zu leiden …
Kurz nicht aufgepasst und baammm! - ein richtig schönes Schlagloch erwischt. Bin wieder hellwach und fühle den losen Kupplungsgriff. Naaa großartig! Der Kupplungszug ist gerissen. Genau das hat mir noch an diesen “wunderbaren” Morgen gefehlt. Ich würge den Motor ab, bleibe am Straßenrand stehen und packe langsam die Werkzeugrolle aus. Gott sei dank hat Les das Ersatzteil mitgenommen. Noch bevor ich anfange mir Gedanken zu machen, wie ich die Kupplung reparieren kann, hält ein Walzenfahrer (JA genau: ein WALZENFAHRER :-)) neben mir. Er ist sei auch Biker, kennt sich mit so etwas aus und ich solle “paschalsta” zu Seite treten. Keine 15 Minuten später sitzt er wieder auf seiner Walze und ich habe eine funktionierende Kupplung!

Das ist eine der Sachen, die ich am Motorradfahren so liebe: Egal wie tief man in der Scheiße steckt und mag es noch so weit am Arsch der Welt sein – von irgendwo kommt immer ein anderer Motorradfahrer und hilft einem selbstlos. Diese ungeschriebene Biker Regel gilt auch (oder vor allem) in Russland!
Deshalb liebe Motorrad-Anfänger: Niemals an einem am Straßenrand stehenden Moped samt FahrerInn vorbeifahren. Tue Gutes und dir passiert Gutes!
Der restliche Tag ist geprägt von schlammigen Pisten, wilden Überholmanövern, kurzen Essenspausen und interessanten Treffen mit anderen Bikern aus der ganzen Welt.

Nur noch 560 km nach Novosibirsk!