Tag 8.
Lektion des Tages: Sport wird in der Mongolei groß geschrieben.
Pferde Diebstahl hat in der Mongolei eine lange Tradition. Es ist mehr ein Sport als ein Verbrechen. Leider haben es die traditionsbewussten Sportler diesmal auf meine Pferdchen abgesehen.
Als ich morgens Johnny & Cash zum Fluss führte, sah ich auf der anderen Seite zwei Reiter hinter einem Baum “versteckt”. Als ich näher kam, ritten diese entspannt davon. Nach dem Frühstück kamen die Beiden wieder. Der Eine überquerte den Fluss und schaute sich Johnny ganz genau an. Ich war ca. 150 m entfernt. Er sah mich und blieb im Schatten stehen. Als ich mich auf den angeblichen Pferdedieb zu bewegte, ritt er wieder zu seinen Partner. Anschließend verschwanden die Beiden im Wald.

Meine Gastgeber hörten sich meine Beobachtungen an und nickten nur zustimmend. JA es sind keine guten Männer und ich sollte ganz genau auf meine Pferde achten. Keine Aufregung oder Unruhe – anscheinend ist das wirklich ganz normal hier, dass ab und zu ein paar Pferdediebe vorbei kommen. Diese Nacht werden meine Pferde ganz nah bei den Jurten angebunden, so einfach mache ich es diesen Sportsfreunden nicht.

Ansonsten verlief der Tag entspannt. Ich war mit den Kids im Fluss baden, genoss die Gesellschaft des Clans und “musste” fast mit jeden männlichen Familienmitglied entweder ringen oder wenigstens Arm drücken. Beim Ringen sind mit die Mongolen technisch klar überlegen. Ich versuchte beim Ringen die “deutsch-polnische Eiche” Technik:
Einfach mit aller Kraft auf zwei Beinen zu bleiben und den Gegner mürbe zu machen ;-)
Viel gebracht hat es aber leider nicht. Beim Arm drücken kann mir dünnen, blassen Hering jedoch keiner was vormachen! Die Kämpfe haben sich ausgezahlt, denn ab jetzt habe ich einen mongolischen Namen: TOMORBAATAR. Was so viel wie “der Eisen Mann” heißt. Ich nehme das als ein großes Kompliment und versuche dabei meinen steifen Nacken, die vielen blauen Flecken und den aufkommenden Muskelkater im ganzen Oberkörper zu ignorieren!

Ach ja! Ein Tipp für alle Camper in der Mongolei:
Lasst Eurer Zelt nicht zu lange alleine falls sich in der Nähe ein Kuh Herde aufhält. Es ist einfach nur ekelhaft, wie diese Viecher alles voll sabern und ein paar schöne Landminen direkt vor dem Zelteingang verteilen können! :-(

Falls meine Pferde nachts nicht an das gegnerische Team übergehen, werde ich morgen meine Sachen packen und weiter westwärts reiten. Nur noch 30 km bis zur nächsten Stadt.

Ein wirklich schöner Tag.
Tag 9.
Lektion des Tages: Its NOT always sunny in Mongolia.
Beide Pferde sind noch da! Obwohl ich einen meiner Gegner heute morgen wieder im Busch entdecken konnte.

Das Lager ist abgebaut, die Pferde sind gesattelt und bepackt. Nach einen kurzen “Bairh te” bin ich wieder unterwegs, gefolgt von der gegnerischen Pferdedieb Mannschaft. Ein Reiter folgt mir im Abstand von ungefähr 1/2 Kilometer den ganzen Vormittag. Am liebsten würde ich einfach hin galoppieren, den Typen ein paar aufs Maul hauen und dann wäre die Sache geritzt. Doch bei meinen Glück würde ich ohne Zähne UND Pferde blutend alleine in der Steppe liegen bleiben ;-) Ich bleibe also vernünftig und warte ihren/seinen nächsten Zug ab.
Es regnet ununterbrochen. Bin klitsch nass, mein ganzer Körper tut weh (aber hey Du bist doch der TOMORBAATAR, also hör auf zu heulen Du Memme!), ich fühle eine Erkältung aufkommen und hinter mir reitet ein fieser Pferdedieb … aber wisst Ihr was: Das ist mir alles sch**** egal, meine Laune könnte nicht besser sein!
Alles ist nass, ich habe Hunger, ich friere, meine Pferde sind müde und mir scheint trotzdem die Sonne aus dem Arsch (auf jeden Fall fühlt sich das Brennen so an) :-)

Genau nach solchen Abenteuer habe ich in der Mongolei gesucht!
Es ist verdammt anstrengend und gleichzeitig herausfordernd.
Es ist beängstigend und gleichzeitig aufregend.
Es ist ungemütlich und gleichzeitig atemberaubend schön.
Es ist wirklich schwierig und gleichzeitig lehrreich.
Es ist einfach nur großartig!
Nach nassen 17 km kann ich meinen Verfolger nicht mehr sehen. Ich habe mich daraufhin in einem Waldstück versteckt. Hier möchte ich die Nacht verbringen. Mal schauen ob ich morgen zu Fuß in die Stadt laufen muss …

Ein feucht-fröhlicher Tag.

