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rundreise-mongolei.de

· Auf dem Pferderücken

Tag 15 bis 17: Pferdkuss und Antibiotika

Tag 15.
Lektion des Tages: Einfach mal auf den eigenen Körper hören, wenn er schreit.
Nach einer kalten Nacht wache ich spät auf, viel zu spät. Ich fühle mich elend. Meine Nase ist zu. Der Rachen tut weh und bin wie gerädert. Die verschleppte Erkältung, die ich schon seit Thailand mit mir herumschleppe, gibt heute den Ton an.

Mongolei-Krank-Sein

An diesen Tag wird nicht weiter geritten mein Freund. Es nützt nichts ich muss in meine Reiseapotheke greifen und die Antibiotika (schönen Gruß an mein liebes SchwesterHerz) einnehmen. So geht es einfach nicht weiter. Mein Körper braucht eine Pause und das zeigt er mir überdeutlich. Ich bleibe einfach weiter liegen und verschlafe den halben Tag.

Alleine durch die Mongolei reiten Reisebericht 2011

Und welch ein Wunder, nach ein paar Stunden extra Schlaf geht es mir wieder viel besser. Die Sonne scheint, der Ort ist wunderschön und sogar ein nächster Regenbogen erfreut mein verschnupftes Gemüt.

Outdoor Campen in der Mongolei

Einfach mal den ganzen Tag chillen und die Biografie von Johnny Cash als Hörbuch genießen. Das ist doch mal ein guter Plan.

Ein erholsamer Tag.

Tag 16.
Lektion des Tages: Pferdeküsse sind nicht sexy.
Diese Nacht verbrachte ich mit warmen Steinen aus meiner überdimensionierten Feuerstelle. Als es um ca. vier Uhr früh so richtig kalt wurde, habe ich mich aus meinen Zelt gepellt und aus dem erloschenen Feuer ein paar heiße Steine in ein Handtuch gewickelt und in mein Schlafsack gesteckt. Die perfekte Outdoor-Wärmeflasche.

Wie immer wenn ich mir etwas zu essen mache, tauchte ein neugieriger Mongole auf. Der Topf Reis mit Trockenfleisch wurde selbstverständlich geteilt.
Ist das die Überlebenstaktik der Mongolen in dieser unwirtlichen Gegend? Einfach einen siebten Sinn für Orte zu haben, an denen es etwas warmes zu essen gibt? Oder ist es einfach nur mein chinesischer Benzinkocher, der einmal angezündet sich wie ein Raketentriebwerk anhört und für alle im Umkreis von fünf Kilometern den Wegweiser markiert?
Ab sofort mache ich immer eine doppelte Portion heiß. Falls doch kein Gast vorbeischaut, habe ich direkt eine zweite Mahlzeit fertig. :-)
Johnny ist heute wieder ein echter Schatz. Direkt beim Sattel fest machen, verpasste er mir einen saftigen Pferdekuss. Ich wurde noch nie von einem Pferd gebissen und muss sagen, dass es ganz schön schmerzhaft ist. An der linken Po Backe habe ich jetzt einen blutigen “Knutschfleck”. Auch den Rest des Tages haben wir wieder perfekt harmoniert. So langsam geht er mir richtig auf die Nerven. In den ersten Tagen war alles gut, dann langsam entglitt mir die Kontrolle und mittlerweile hört mein eigensinniges Pferd nur noch auf die Peitsche und bedankt sich mit heißen Pferdeküssen. Tja leider ist keiner da, der mir möchtegern Cowboy sagen kann was ich falsch mache.

Mongolei-Pferdekuss

So bleibt mir nichts anders übrig als die Nerven zu bewahren, weiter zu machen und auf mein Arsch aufzupassen. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass ich in dieser Beziehung das Problem bin. (Wenn das immer so einfach wäre, wird sich meine Natalia beim Lesen dieser Zeilen bestimmt denken).

Reit Abenteuer in der mongolei 2011

Der Tag unterwegs war geprägt von grandiosen Landschaften, freundlichen Begegnungen und wechselhaften Wetter.

Ein anspruchsvoller Tag.

Tag 17.
Lektion des Tages: In der Ruhe liegt die Kraft.
Diese Nacht auf über 2.200 m war so kalt, dass ich meine sexy blau-weiße Thermounterwäsche, beide Hosen, zwei langärmlige T-Shirts, zwei paar Socken und mein Fleece in meinen Schlafsack unter der Decke gebraucht habe um nicht zu frieren. Eigentlich bin ich nicht so eine Frostbeule. Vielleicht ist es die Erkältung, die mich so zittern lässt? Wie auch immer … heute morgen waren beide Pferde noch da und ich hatte gute Laune. Pünktlich zum Frühstück erschienen zwei Herren mit mongolischen Gesichtszügen.

Mit den Pferden outdoor reiten in der Mongolei

Nachdem beide wieder im Nichts verschwunden sind, blieb ich ohne heißen Tee und mit der Hälfte meiner Essensration zurück. Ich Fuchs habe aber gelernt (siehe doppelte Portion) und konnte mich trotzdem satt essen.

Heute versuche ich wieder die gewaltfreie Reitvariante. Es funktionierte bis ungefähr 16 Uhr, dann musste ich Johnny doch mit der Peitsche davon überzeugen, dass wir DURCH einen Fluss müssen und nicht an seinen Ufer bleiben können. Es tut mir im Herzen weh dieses tolle Tier schlagen zu müssen, aber manchmal ist es meine einzige Chance. Ich werde weiter versuchen die Peitsche nur als Drohmittel einzusetzen.

Dieser Tag war einfach gut. Nach ein paar Kilometern sah ich meinen Frühstücksnachbarn wieder und wurde herzlichst in seine Jurte eingeladen. Dort wurde ich unter anderem mit Yak Käse beschenkt und sollte ein paar Familien Fotos schießen, um diese später aus Deutschland an eine bestimmte Adresse zuschicken.

Der Weg führte mich über einen 2.700 m hohen Pass zwischen 3.400 m hohen Bergen an Bergseen, jagenden Adlern und Falken, bunten Wiesen, Yak Herden und Bergquellen vorbei in mein heutiges Nachtlager versteckt in einen Seitental. Das ist der eindeutig schönste Schlafplatz dieser Etappe. Auch wenn das Wetter nicht mitspielt und ich mich auf eine eiskalte Nacht (mein dünnes Zelt steht auf 2.613 m Höhe) vorbereite, gehe ich heute mit einen breiten Grinsen schlafen.

Reise Blog aus der Mongolei - Bergpass Reisebericht 2011

Ein sehr guter Tag.

PS: Der Pferdekuss brennt immer noch … ;-)